Tag 4:

Mittwoch, 28. 6. 2017

Berlin zur Zeit der DDR

  • Brandenburger Tor als Symbol für Teilung und Wiedervereinigung
  • „Geisterstrecke“ zur Friedrichsstraße mit dem „Tränenpalast“ – einstiger legendärer Grenzübergang.
  • einer der früheren „Geisterbahnhöfe“
  • Bernauer Straße mit der Originalmauer, bekannt durch spektakuläre Fluchten aus Fenstern und durch Fluchttunnel
  • Gedenkstätte Berliner Mauer (inkl. Darstellung des Todesstreifens und der Wachanlagen)
  • Kapelle der Versöhnung, genau an dem Ort errichtet, an dem die Versöhnungskirche bis zur Sprengung stand. Hier wird in einer Kurzbiographie an die 136 Maueropfer erinnert.
  • Dokumentationscenter mit Film-, Presse- und Fotomaterial
  • Abendprogramm: Holzmarkt

Zur Einstimmung ein bisschen Unterhaltung zum sehr ernsten Thema. Dadurch wird aber auch sichtbar, wie die Betroffenen die unerträgliche Situation ertragen konnten. Letzten Endes hat diese Beharrlichkeit dazu geführt, dass dieser Schrecken beendet wurde.

Wir haben bei unserem Besuch ein kleines Bisschen von dieser Atmosphäre schnuppern dürfen.

 

Udo Lindenberg: Sonderzug nach Pankow

 

Dieses Video hat zwar eher schlechte Bildqualität - für die ich mich schon im Vorhinein entschuldigen möchte. Aber ich habe trotzdem diese Version dieses Liedes ausgewählt, weil die Inszenierung die Stimmung wiedergibt, die zu DDR-Zeiten an den Grenzübergängen geherrscht hat und wie wir sie auch bei unserem Besuch am Tränenpalast erahnen konnten. Es war für uns auch ein besonderes Erlebnis, die U-Bahn-Station Pankow zu sehen.

 

Besonders interessant ist auch Udo Lindenbergs Verhältnis zur DDR.

 

Noch ein paar Filmdokumente ... 

Eine erste Annäherung an die Mauer. Was noch steht von ihr und was von ihr geblieben ist - vor allem in den Köpfen der Menschen.

Greifen heißt begreifen.

Was im Geschichteunterricht schon mehrmals abstrakt gehört wurde, ging hier buchstäblich unter die Haut. Zunächst einmal unter die Fingerspitzen.

Ostseite

Die ehemalige Ostseite ist mittlerweile bemalt. Die Wiese war der ehemalige Todesstreifen. Ein Teil der Anlage ist noch in den Originalausmaßen vorhanden, um eine Vorstellung von den Anlagen zu geben. Wären wir vor 30 Jahren an dieser Stelle gestanden, hätte man auf uns geschossen.

Mitten im ehemaligen Todesstreifen befindet sich eine Gedenktafel, die Bilder aller 136 Maueropfer zeigt. Das jüngste war zwei Jahre alt. Wir bewegen uns darauf zu. Es wird ruhiger und ruhiger in der Gruppe.

Wir lesen die Namen der Menschen, die beim Versuch, die Mauer bzw. Grenze zu überwinden, gestorben sind. An den Geburts- und Sterbedaten sehen wir, dass es größtenteils junge, manchmal sogar sehr junge Menschen sind. Wir fragen bei unserem Guide nach und er erzählt uns sehr berührende Geschichten. Es waren auch nicht immer direkte Fluchtversuche, die den Menschen zum Verhängnis wurden. Manchmal waren es unglücklich verkettete Ereignisse im Grenzbereich, die einem Menschen das Leben gekostet haben. Wie zum Beispiel ein fünfjähriger Bub, der ertrank, weil er seinem Ball in den Fluss nachsprang. Niemand der Anwesenden wagte es aber, ihn zu retten, da geschossen worden wäre. Die DDR-Behörden übergaben den Eltern erst eine Woche später den Leichnam des Kindes.

Noch einmal ein Blick über den Todesstreifen. Im Hintergrund sieht man die sogenannte Hintermauer, die den Todesstreifen abgrenzte. Zwischen den beiden Mauern gab es Stolperdrähte, Wachhunde, taghelle Beleuchtung bei Nacht, feinsten Sand zur besseren Erkennung von Fußspuren - und natürlich Scharfschützen.

Das letzte Haus vor der Mauer

Die Schautafeln verdeutlichen, wie diese Stelle bis 1989 ausgesehen hat. Wir stehen vor dem letzten Haus neben der Mauer. Unser Guide schildert die Schikanen, denen die Bewohner dieses Hauses ausgesetzt waren. Kontrollen bei jedem Verlassen und Betreten des Hauses, um das Einschleusen von Spionen zu verhindern. Auf der Westseite solcher Häuser hatte man stets die Sprungtücher bereit, um Menschen zu retten, die den Sprung aus dem Fenster wagten.

Rund um die Synagoge sind malerische Innenhöfe mit ausgezeichneten Lokalen. Sehr empfehlenswert!

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt treffen alle ein. Die ersten machen es sich auf den Stufen der neuen Synagoge bequem.

Frisch gestärkt geht es zu unserem nächsten Ziel, dem interaktiven DDR-Museum. Hier werden wir sehen, wie das Alltagsleben in der DDR ausgesehen hat. Wie die Menschen mit Alltagsschläue das Unerträgliche ertragen haben. Und was ist selbst in so einem unmenschlichen Regime nicht wegzudenken: Das Auto!

Ein echtes Luxusgefährt:

  • Zweitaktmotor (vgl.: Rasenmäher)
  • Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
  • keine Tankuhr (Auto ruckelt bei fast leerem Tank)
  • Motor leicht ausbaubar und am Küchentisch zu reparieren

Autofahrerherz, was willst du mehr?

Doch in diesem interessanten Museum geht es nicht nur um Autos. Der gesamte Alltag ist aufgebaut. Wir gehen durch eine typische Plattenbauwohnung, einen Supermarkt á la DDR und erfahren, wie wir bei allem überwacht werden. Vor allem auch, was passiert, wenn man sich nicht systemkonform verhält. Ein Blick in eine Gefängniszelle macht klar, dass Widerspruch eine gefährlich und unangenehme Sache sein konnte.

Aber von Getränken alleine wird man nicht satt. Deshalb brauchen wir noch etwas Kräftigeres! Also Zeit zur Nahrungssuche. Eine Möglichkeit ist ein sehr individuelles Burgerlokal, das unsere Jungs sehr schnell ausfindig machen.

Holzmarkt - Der letzte Abend (Snief!)

Wir kennen uns hier schon recht gut aus und fühlen uns sehr heimisch!

Mit einbrechender Dämmerung verlagert sich immer mehr von den Tischen zum Lagerfeuer. Es ist ein wunderbarer lauer Abend. Der Blick über das Feuer hinweg zur Spree ist atemberaubend und wir vergessen, dass wir mitten in einer Großstadt sind.

Wir genießen unseren letzten Abend in Berlin sehr! Aber wir wissen, es ist der letzte! Die Zeit war schön und sehr intensiv. Wir haben am folgenden Tag noch Zeit, da wir erst an Abend fliegen. Wir sind fest entschlossen, jede Minute zu nützen. Aber im Moment nützen wir einmal diesen Abend.

Carpe noctem!

Im Hof unseres Hotels stand ein Stück davon - bemalt und ganz harmlos. Einfach ein Stück Mauer. Es gibt viele solche Erinnerungsstücke in Berlin. Man kann sie sogar kaufen. Was diese Mauer allerdings in der Realität bedeutete, das wollten wir an diesem Tag erfahren. Bis ins Detail. Doch manches Detail war sehr schwer zu ertragen.

Der erste Stopp - und die ersten Infos von unserem Fremdenführer. Er hatte selbst in Westberlin gelebt und war auch gerne bereit, auch über seine persönlichen Erfahrungen zu reden. Trotzdem kamen zuerst die Fakten. Und die waren teilweise unglaublich und unbegreiflich.

Das noch existierende Stück an der berüchtigten Bernauer Straße. Unser Guide macht uns nach und nach klar, was die Mauer tatsächlich bedeutete. Hier stand auch das erste Stück der Mauer, indem man einfach eine Friedhofsmauer verlängerte. In diesem Bereich wurde auch eine Kirche weggerissen, damit die Einrichtungen für Todeszone usw. gebaut werden konnten.

Gedenktafel für die Maueropfer

Biografien der 139 Maueropfer

"Mindestens 139 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben.

Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. Ungezählt sind die Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihr Leben starben."

(Quelle: Gedenkstätte Berliner Mauer)

Originalwachturm

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte...

(Foto: Georg Furtner)

Nach diesem intensiven Vormittag brauchen wir eine Pause und ein Mittagessen. Für den Nachmittag steht das interaktive DDR-Museum auf dem Programm. Auf dem Weg zu diesem Ziel liegt die neue Synagoge. Wir begeben uns gemeinsam dorthin - sehen sie aber leider nur von außen - vereinbaren Treffpunkt und Uhrzeit und schwärmen zur individuellen Nahrungssuche aus.

Ins Innere der Synagoge schaffen wir es leider nicht. Dafür reicht die Zeit nicht. Das ist eine Anregung für den nächsten Berlinbesuch! Diese Synagoge ist unter anderem deswegen so interessant, weil sie als eine der wenige das Novemberprogrom relativ unbeschadet überstanden hat. Die Feuerwehr hat trotz ausdrück-lichen Verbotes gelöscht. Ein kleines Zeichen von Zivilcourage in einer Zeit, in der das sehr gefährlich war und deswegen nicht sehr oft vorgekommen ist.

Der Trabant

Wir haben auf unseren Streifzügen durch die Stadt Luxuslimousinen gesehen, von Ferrari bis Maserati. Aber das hier schlägt alles!

Der Traum aller Jungs...

... und natürlich der Mädels!

Was ist ein Oxymoron?

Da das ja schließlich eine Bildungsreise ist, lassen wir natürlich keine Gelegenheit aus, unser Wissen zu vertiefen. Also, was ist ein Oxymoron?

Ein ausgesprochen nettes Lokal in einem malerischen Innenhof, wo man sehr gemütlich etwas trinken und sich einfach erholen kann. Dass ein Oxymoron auch eine Stilfigur ist, wissen wir natürlich auch. Wir haben ja aufgepasst im Deutschunterricht!!!

Aber was war das noch gleich?

kleine Nachhilfe...

Mahlzeit!

Was machen wir mit dem angebrochenen Abend??

Auf den Holzmarkt natürlich!!!

Je später der Abend, desto schöner das Lagerfeuer!

Holz gibt es hier ja genug!