Tag 5:

Donnerstag, 29. 6. 2017

Highlights zum Abschied

Für den letzten Tag war ganz bewusst kein Programm geplant. Wir wollten erst einmal abwarten, was diese Stadt für uns bereit hält und uns dann etwas aussuchen, das unseren Besuch perfekt abrunden sollte.

 

Während unseren gesamten Aufenthaltes war dieser Gedanke im Hinterkopf: Was machen wir am letzten Tag? Womit krönen wir unseren Aufenthalt in dieser besonderen Stadt, die ganz besonders geprägt wurde durch die Teilung. Also war es wenig verwunderlich, dass wir nach den Eindrücken unseres DDR-Tages zu diesem Thema zurückkehren würden. Wir konnte die Stadt doch nicht verlassen, ohne die East Side Gallery gesehen zu haben! Und ein bisschen shoppen musste schließlich auch noch sein. Und das natürlich an Berlins erster Adresse, dem Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe.

 

Damit stand das Programm fest: 

  • East Side Gallery
  • KaDeWe (Kaufhaus des Westens)

Der Abreisetag war natürlich anders als die vorangegangenen. Nach einem wie üblich ausgiebigen Frühstück mussten wir bis 10 Uhr die Zimmer räumen. Freundlicherweise durften wir die Koffer im Hotel deponieren, da wir erst um 17:30 Uhr in Richtung aufbrechen mussten. Dazu wurde uns eines jener Zimmer zugewiesen, das unsere Gruppe bewohnt hatte.

Nach Verlautbarung der Zimmernummer ging alles recht schnell. Alle Koffer wurden im entsprechenden Raum verstaut und wir machten uns auf den Weg. Eigentlich fast wie immer. Den Gedanken, dass es unser letzter Tag sein würde, verdrängten wir ein bisschen.

... letzte Eindrücke...

Und dann waren wir da. 800 m der Originalmauer. Auf der Ostseite war die Mauer zum Zeitpunkt des Falls ja weiß und nicht bemalt wie die Westseite. Was so lange ein Nachteil gewesen war, wurde nun zu einem Vorteil. Ausgewählte Künstler bekamen Flächen zur Verfügung gestellt, die sie gestalten konnten.

Eine sehr interessante Reise durch Gedanken...

... und Botschaften ...

... bis hin zum wohl berühmtesten Bild der East Side Gallery: Der Trabi durchbricht die Wand.

Besser kann man es wohl kaum darstellen.

Das ist jetzt wohl der endgültige Abschied von der Spree.

Abschiedsfotos in den verschiedensten Posen werden noch gemacht. Doch dann muss es recht schnell gehen, denn dicke Regentropfen fallen plötzlich vom Himmel.

Wir nehmen das nicht weiter tragisch. Schließlich wollten wir ja ohnehin gerade aufbrechen und uns etwas für das Mittagessen sein. Also kein Problem. Und wenn unsere Mittagspause vorbei ist, dann hat es auch sicher zu regnen aufgehört. An den vergangenen Tagen waren die Regenschauer schließlich auch nicht sehr lange. (Tja, ...)

Aber wir haben Glück: Ein italienisches Lokal ist gleich neben der Busstation. Ein Großteil der Gruppe hat diese erste Gelegenheit genutzt und sich hier hinein geflüchtet.

Der Regen prasselt unaufhörlich. Insgesamt eine sehr schöne Stimmung. Und bis wir fertig sind, ist der Regen ja sicher vorbei. (Tja, ...)

Nach dem Mittagessen wollen wir noch ins Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Wir sind fest entschlossen, uns durch den Regen zu kämpfen. Mittlerweile sind wir ja wieder halbwegs trocken.

Allerdings haben wir die Hoffnung, dass der Regen bald aufhört, schon aufgegeben.

Im Inneren werden wir allerdings sofort entschädigt. Es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre. Insbesondere in den unteren Stockwerken fühlen wir uns in unserem Outfit ein bisschen deplatziert. Aber weiter oben ist es kein Problem.  Ein bisschen stöbern. Noch ein gemütlicher Kaffee. Wir verbringen hier noch zwei sehr schöne Stunden, bevor es endgültig zum letzten Mal zurück zum Hotel geht.

 

 

Nach einer kurzen Fahrt mit öffentlichen Verkehrs-mitteln, brachte uns ein sehr angenehmer Spaziergang der Eastside Gallery näher. 

Immer wieder kleine Stopps für letzte Fotos...

 

... und ein paar Gedanken.

Wir begaben uns nun auf die Reise durch Gefühle, Gedanken und Botschaften. 800 m lang. 

Jeder durchwandert die East Side Gallery in seinem eigenen Tempo. Die Gruppe ist daher seit weit auseinandergezogen. Das macht aber nichts, denn wir haben einen wunderbaren Sammelplatz an der Spree gefunden. Schön langsam trudeln alle ein.

Die Suche nach einer geeigneten Gegend, in der jeder das passende Mittagessen finden kann, gestaltet sich schwierig. Strömender Regen macht es unmöglich, zu flanieren und etwas Passendes zu finden. Schließlich sehen wir vom Bus aus ein passendes Fleckchen. Leider fährt der Bus aber schon wieder aus der Station. Also aussteigen. Auf die andere Straßenseite. Wieder eine Station zurück. Langsam spüren wir, wie die Feuchtigkeit bis auf die Haut durchkommt.

Es ist wirklich nett hier. Fast wie in der Toskana. Nettes Lokal. Gutes Essen. Und die Fensterfront ist komplett offen. Wir sitzen quasi im Freien und sind trotzdem im Trockenen.

Wir schaffen es auch tatsächlich bis dorthin. Der Regen zeigt allerdings allerdings erste Auswirkungen. In den U-Bahnstationen bilden sich bereits große Lacken, weil das Wasser von den Eingängen her einfach nach unten rinnt.

Endlich beim KaDeWe angekommen, drängen wir uns so schnell wie möglich unter das Vordach. Am Foto sieht man sehr gut, wie die Situation war Wir suchen nur noch Zuflucht im Trockenen und ein Fleckchen zum Verschnaufen.

 

Kleiner Rundgang durch das Kaufhaus


Den Regen nehmen wir mittlerweile als gegeben hin. Im Hotel angekommen, holen wir unsere Koffer aus dem Zimmer. Die meisten kramen noch rasch nach einem trockenen Paar Socken und einem trockenen Pullover. Auf dem Gang vor dem Zimmer sieht als bald aus, als ob eine Evakuierung im Gange sei. Doch wir schaffen alles ohne unnötiges Aufsehen. Um etwa 17:15 Uhr sind wir in der Lobby bereit zur Abholung.

 

17:30 Uhr: Der Bus müsste eigentlich jeden Moment hier sein.

17:32 Uhr: Anruf des Buschauffeurs.

Es stellt sich heraus, dass er vor einem anderem Haus der A&O-Kette steht.

Leicht hektische Panik. Er verspricht, so rasch wie möglich zu kommen. Wir schauen uns auf der Karte an, welchen Weg er zurücklegen muss. Das beruhigt uns nicht wirklich.

Extrem starker Regen. Abendverkehr.

Wir telefonieren mit der AUA am Flughafen Tegel. Nein, es ist leider nicht möglich, das Gate länger offen zu halten. Internationale Sicherheitsbestimmungen.

Auch das trägt nicht zu unserer Beruhigung bei. Wir stellen Überlegungen an, mit welchen Dokumenten wir nachweisen können, dass der Fehler nicht bei uns liegt. Was ist, wenn wir das Flugzeug versäumen? 30 Leute kann man nicht so einfach in die nächste Maschine setzen. Die fünf Tage sind ohne nennenswerte Probleme verlaufen. Sollten wir jetzt bei der Heimreise alles nachholen? Abwarten. Abwarten. Abwarten.

17:57 Uhr: Der Bus ist da!!! Jetzt zählt jede Sekunde.

Einladen der Koffer. Bei strömendem Regen.

Einsteigen. Bei strömendem Regen.

Los geht´s!

Laut Navi des Chauffers, das wir aus der ersten Sitzreihe mitlesen können, müssten wir um 18:40 am Flughafen sein. Unser letztes Check in um 19:10 Uhr. Die Hoffnung lebt.

Unser Buschauffeur muss einen Formel 1-Fahrer in seinem direkten Freundeskreis haben. Aus Gründen des Datenschutzes wird hier verschwiegen, über wie viele rote Ampeln er gefahren ist. Um zirka 18:30 Uhr versuchen wir Anzeichen zu finden, dass wir uns einem Flughafen nähern. Jedes Gebäude wird auf Ähnlichkeiten mit Flughafengebäuden gescannt. Das Ergebnis ist allerdings immer ernüchternd. Weit und breit kein Flughafen.

 

Die Flugnummer wird über das Busmikrophon verlautbart. Falls jemand am Flughafen von der Gruppe getrennt wird, soll er sich selber durchfragen. Alle sind sehr diszipliniert und notieren die Flugnummer entweder im Handy oder am Handrücken. Gespanntes Schweigen. Wann kommt dieser Flughafen endlich?

 

Plötzlich ist er da. Man ahnt auch, wo der Eingang ist. Dort nämlich, wo unendlich viele Busse stehen. Natürlich gibt es keinen freien Busparkplatz. Unser Chauffeur beweist auch hier Mut und hält den Bus einfach mitten auf der Straße an.

18:42 Uhr: Aussteigen. Schnell.

Wir bilden eine Kette und haben alle Koffer in Rekordzeit unter dem Vordach. Ein kleines Dankeschön an unseren Helden hinterm Steuer. Und los geht´s.

 

Das Gate haben wir schon im Bus online herausgefunden. Georg geht vorne weg. Und dann laufen wir. Laufen. Laufen. Mit Koffern. In der Hoffnung, dass keiner zurückbleibt.

 

Unser Gate ist natürlich ganz hinten. Wir laufen. Und wir schaffen es. Das Personal weiß bereits Bescheid, dass eine Gruppe einchecken will. Wir stellen uns an. Und endlich klappt alles so, wie es geplant ist. Um Punkt 19:10 Uhr sind alle eingecheckt. Nun müssen wir nur noch durch die Sicherheitskontrolle und dann geht es ab nach Hause!!!!

 

19:10 Uhr: Wir sind durch!!! Wir haben es geschafft!

 

19:12 Uhr: Wie bitte? Heute geht nichts mehr? Warum nicht?

Der Regen!!!

Air Berlin sagt alle Flüge für den heutigen Abend ab.

19:55 Uhr: Jetzt sollten wir planmäßig fliegen. Doch die Maschine, die uns nach Wien bringen soll, ist noch nicht mal da. Sie kann nicht landen, da auf der Landebahn zu viel Wasser ist.

??? Uhr: Neue Abflugzeit

Na dann, meine Lieben! Macht es euch so bequm wie möglich. Das könnte eine lange Nacht werden.

 

Gesagt, getan! Und das sah dann so aus!

Es war wirklich angenehm, dass alle wussten, wie sie sich in der besonderen Situation verhalten mussten. Das bestätigte, was der Bedienstete bei der Sicherheitskontrolle gesagt hatte: "´ne Supertruppe haben Sie da. Alle so freundlich! So was haben wir da nicht alle Tage!" (wörtliches Zitat!!!)

Als Klassenvorstand kann man sich keinen schöneren Abschluss eines solchen Projektes wünschen!!!

Danke, Leute! Ihr seid wirklich spitze!

Alles, was wir jetzt noch brauche, wäre ein Flugzeug für den Heimtransport!

Geduldig und ohne zu murren fügten sich alle in die Situation. 

21:07 Uhr: Regen, Regen, Regen ....


21:37 Uhr: Plötzlich sehen wir ein Fugzeug mit AUA-Heckflosse auf dem Rollfeld. Das ist sie!!! Die Maschine aus Wien ist da! Boarding aufzurufen ist unnötig. Die Menschen gehen von selbst zum Ausgang. Jetzt geht alles recht schnell.

21:58 Uhr: Wir sitzen in der Maschine. Die Chancen steigen. Jetzt nicht an Geschichten denken, wo Passagiere wieder aussteigen mussten!

22:04 Uhr: Sie rollt! Die Maschine rollt! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Außer vielleicht.... Nein!

 

Der Flug selbst verläuft sehr ruhig. Nur in Berlin ist das Wetter so schlecht. Je näher wir Wien kommen, desto besser wird es.

23:02 Uhr: Wir  landen mit zweistündiger Verspätung in Wien. Eigentlich fast pünktlich, wenn man bedenkt, was sein hätte können.

Die Gepäcksrückgabe geht ganz schnell.

23:17 Uhr: Auf einmal stehen wir alle mit den Koffern da. Noch einmal schließt sich die Gruppe. Ein kurzer, aber intensiver Applaus ist zu hören.

Und dann ist sie vorbei, unsere Berlinreise. Schön war´s!